Fruchtbarkeit bei Männern
Von einer normalen Zeugungsfähigkeit gehen Medizinerinnen und Mediziner aus, wenn pro Milliliter Ejakulat mindestens 15 Millionen Spermien enthalten sind. 32 Prozent müssen eine gute Beweglichkeit aufweisen. Der Androloge kann die Qualität der Spermien untersuchen.
Wenn bei Paaren der Kinderwunsch aufkommt, werden sie häufig auf eine Geduldsprobe gestellt. Versucht ihr es bereits über einen längeren Zeitraum erfolglos, liegt das Problem etwa gleich häufig bei Männern wie bei Frauen.
In diesem Artikel möchten wir uns genauer mit den Ursachen einer Zeugungsunfähigkeit auseinandersetzen und Behandlungsmöglichkeiten sowie Möglichkeiten zur Verbesserung der Spermienqualität erläutern.
Normale Voraussetzungen
Einfluss des Lebensstils
Ein gesunder Lebensstil kann bereits positive Auswirkungen auf die Qualität der Spermien haben. Dazu gehört zunächst der Verzicht auf Nikotin. Sein Konsum kann die Beweglichkeit der Spermien mindern, außerdem ist ihr Schutz durch die Samenflüssigkeit geringer.
Auch der übermäßige Konsum von Alkohol schädigt der Spermiengesundheit sowie der Qualität. Ähnliche Auswirkungen haben Drogen wie Cannabis, Kokain und Anabolika.
Niedrige Spermienzahl und -qualität können auch eine Folge von Übergewicht sein. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung in Begleitung von regelmäßiger Bewegung sind also ausschlaggebend. Sport kann außerdem dabei helfen, Stress abzubauen, der ebenfalls die Spermienproduktion reduziert. Wichtig ist, den Körper nicht übermäßig zu belasten. Extreme Anstrengungen beim Sport, schwere körperliche Arbeit, häufige Nachtarbeit und Schlafmangel können wieder negative Folgen mit sich ziehen.
Weitere Einflussfaktoren
Unter Anwendung einiger Medikamente kann die Fruchtbarkeit auch eingeschränkt werden. Darunter fallen beispielsweise Chemotherapien, die vorübergehend oder auch dauerhaft Einfluss auf die Spermienproduktion haben können. Die Langzeitanwendung bestimmter Antibiotika kann Auswirkungen haben, allerdings sind diese Auswirkungen wieder umkehrbar.
Als natürlicher Faktor spielt das Alter mit rein. Ab einem Alter von 40 Jahren werden weniger Spermien gebildet und die Befruchtungsfähigkeit lässt nach.
Interessant: Auch Gleitmittel können die Befruchtungsfähigkeit mindern. Das gilt auch für Spucke. Es gibt aber tatsächlich Gleitmittel, die keine Auswirkungen haben.
Körperliche Ursachen
Hormonstörung
Die Spermien entwickeln sich unter dem Einfluss von Hormonen. Liegt ein Mangel, zum Beispiel an dem männlichen Sexualhormon Testosteron vor, kann dies zu einer geringeren Spermienproduktion führen. Einen Einfluss auf die Hormone kann allerdings auch ein hormonproduzierender Tumor der Hirnanhangdrüse (Prolaktinom) haben.
Hodenhochstand
Spätestens zum Ende des ersten Lebensjahres sollten die Hoden aus dem Bauchraum in den Hodensack wandern. Bleiben sie im Bauchraum oder in der Leistengegend, so sind die Hoden einer höheren Temperatur ausgesetzt. Wird der Hodenhochstand nicht frühzeitig behandelt, so kann die Bildung und Beweglichkeit der Spermien nachhaltig beeinträchtigt werden, da die Temperatur zu hoch ist.
Blockierte Samenleiter
Blockierte Samenleiter können dazu führen, dass gar keine Samenzellen in das Ejakulat gelangen. Gründe dafür können eine physische Unterbrechung, Schädigungen durch Verletzungen oder Operationen, Infektionen oder angeborene Fehlbildungen des Hodens sein. Die Samenleiter können auch entzündlich bedingt verklebt sein.
Retrograde Ejakulation
Dies bezeichnet eine Ejakulationsstörung, bei der der Samenerguss nicht wie üblich nach außen abgegeben wird, sondern rückwärts über die Harnröhre in die Harnblase gelangt. Ursache ist in den meisten Fällen eine Funktionsstörung des inneren Blasenschließmuskels, der den Blasenausgang während des Samenergusses nicht ausreichend verschließt. In einigen Fällen kann auch eine vergrößerte Prostata zu dieser Störung beitragen. Besonders häufig tritt die retrograde Ejakulation bei querschnittgelähmten Menschen sowie als Folge von diabetischen Spätschäden auf.
Reduzierte Spermienqualität
Sie kann durch eine Krampfaderbildung am Hodensack verursacht werden. Außerdem können auch Geschlechtskrankheiten, wie Chlamydien, oder Umweltgifte sowie ständige Überhitzung, zum Beispiel durch Sitzheizungen, die Spermienqualität mindern.
Diagnostik
Um die Ursachen einer Zeugungsunfähigkeit zu ergründen, sollte zunächst der Urologe oder Androloge aufgesucht werden. Hier erfolgt eine Untersuchung des allgemeinen Gesundheitszustandes sowie der Hoden und Nebenhoden auf Veränderungen. Gegebenenfalls kann auch eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden.
Ein Spermiogramm erlaubt die genaue Untersuchung des Ejakulats. Die Spermienqualität wird auf Vorhandensein, Anzahl, Form und Beweglichkeit der Spermien geprüft. Da die Qualität des Spermas stark schwanken kann, wird ein Spermiogramm in der Regel zweimal im Abstand von einem Monat durchgeführt.
Um herauszufinden, ob das Problem bei den Hormonen liegt, kann eine Blutuntersuchung Aufschluss geben. Sie wird auch angewendet, wenn der Verdacht auf eine genetische Ursache besteht.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Sterilität des Mannes kann in vielen Fällen ursächlich behandelt werden. Wird beispielsweise ein Testosteronmangel diagnostiziert, kann eine gezielte Testosterontherapie oder der Einsatz weiterer Hormone sinnvoll sein.
Liegt eine sogenannte retrograde Ejakulation vor, bei der das Ejakulat in die Harnblase gelangt, können Sympathomimetika eingesetzt werden. Diese Medikamente bewirken einen festeren Verschluss des Harnblasenausgangs, sodass das Ejakulat wieder nach außen abgegeben wird.
Enthält die Samenflüssigkeit Antikörper, die gegen die eigenen Spermien gerichtet sind, kann eine Behandlung mit Kortikosteroiden in Betracht gezogen werden, da diese das körpereigene Immunsystem unterdrücken.
Auch eine Zeugungsunfähigkeit infolge verklebter oder verschlossener Samenleiter lässt sich unter Umständen operativ beheben.
Besteht nach einer bewusst durchgeführten Sterilisation wider Erwarten erneut ein Kinderwunsch, besteht zudem die Möglichkeit, die durchtrennten Samenleiter mikrochirurgisch wieder zu verbinden.
Du siehst, die Sterilität eines Mannes kann häufig ursächlich behandelt werden. Zu viel Zeit sollte allerdings nicht vergehen, denn je länger die Sterilität anhält, desto kleiner werden die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung. Daher sollten Paare bereits nach einem Jahr den Rat eines Arztes einholen.
Künstliche Befruchtung
Ist eine ursächliche Behandlung nicht möglich, stehen verschiedene Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung zur Verfügung. Ein wesentlicher Vorteil der künstlichen Samenübertragung liegt darin, dass auf diesem Weg eine größere Anzahl von Samenzellen deutlich schneller zur Eizelle gelangt als beim natürlichen Geschlechtsverkehr. Darüber hinaus besteht selbst bei einer scheinbar spermienfreien Samenflüssigkeit, etwa infolge verschlossener Samenleiter, die Möglichkeit, Spermien direkt aus dem Hoden oder dem Nebenhoden zu gewinnen. Diese Entnahme erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung.