Feigwarzen - Was steckt hinter der Tabu-Erkrankung?
Wenn es untenrum plötzlich Probleme gibt, dann ist das häufig unangenehm und vielleicht auch mit Scham verbunden. Aber nicht hier - In dieser Reihe zeigen wir Dir auf, wie es zu bestimmenGeschlechtskrankheitenkommt, welche Symptome mit ihnen einhergehen, wie sie sich behandeln und auch vorbeugen lassen.
Geschlechtskrankheiten - Feigwarzen im Fokus
Feigwarzen
Warzenartige Wucherungen auf der Haut oder Schleimhaut. Sie treten vor allem im Genital- und Analbereich auf, weshalb die Feigwarzen auch Genitalwarzen genannt werden. Humane Papillomviren (HPV) sind der Auslöser für diese hochansteckende Erkrankung, aber wie lässt sie sich erkennen?
Symptome
Das ist nicht immer so leicht, da Genitalwarzen meist nur Millimeter groß sind. Feigwarzen (Condylomata acuminata) sind klein und spitz, bei flächiger Ausbreitung entsteht häufig eine blumenkohlartige Oberfläche.
Nach Infizierung mit den Viren kann es Wochen bis Monate dauern, bis sich die Warzen ausbilden. Vorwiegend treten sie dann an Übergängen zwischen Haut und Schleimhaut auf. Betroffen sind vor allem Regionen des Anus, der Schamlippen, der Vagina und der Umschlagfalte der Penisvorhaut. Teilweise kann auch der Mund befallen sein.
Schmerzen treten möglicherweise beim Geschlechtsverkehr auf. Ansonsten sorgen Feigwarzen üblicherweise für juckende Ekzeme im Analbereich. In der Regel sind sie aber harmlos und stören meist nur aus ästhetischen oder hygienischen Gründen.
HPV-Subtypen
Die sogenannten Genitalwarzen können durch unterschiedliche HPV-Subtypen verursacht werden. Für etwa zwei Drittel der Infektionen sorgt Subtyp 6, Subtyp 11 ist für rund ein Drittel verantwortlich. Eher unüblich und selten sind andere Subtypen, wie die Typen 42, 43 und 44.
Es gibt Subtypen, die Krebs verursachen können. Dabei dauert es zwischen fünf und zehn Jahren, bis die Viren Krebs bilden. Dies geschieht recht selten. Kommt es allerdings zu einer solchen Infektion, kann HPV zu Gebärmutterhalskrebs, Analkrebs, Krebsgeschwüren an Penis oder Vulva und im Mund- und Rachenraum führen.
Übertragung
HPV befindet sich in Hautschuppen und ist daher leicht übertragbar. Häufig vor allem beim Sex, durch intensiven Körperkontakt. Kleinste Verletzungen in Haut und Schleimhaut bieten dem Virus den Weg in den Körper. Eine frische Intimrasur erhöht daher das Ansteckungsrisiko. Auch eine Übertragung durch Sexspielzeuge ist möglich.
Anderer enger Körperkontakt, wie bei einer Massage oder beim Petting, ermöglichen, wenn auch seltener, ebenfalls eine Ansteckung. Es sind auch Schmierinfektionen, zum Beispiel über Handtücher, denkbar.
Ebenfalls selten ist die Übertragung bei der Geburt von Mutter auf das Kind. Es wird empfohlen, etwa in der 34. Schwangerschaftswoche Feigwarzen behandeln zu lassen.
Diagnose
Mit Hilfe von Blick- und Tastdiagnose sind vor allem Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten in der Lage, die Feigwarzen zu erkennen. Ein passender Ansprechpartner sind vor allem Gynäkologen, Urologen oder Dermatologen. Eine Gewebeprobe ist in der Regel nicht nötig.
Häufig geht diese Diagnose mit Tests auf weitere Geschlechtskrankheiten einher.
Da das Krebsrisiko mit dem Bestehen der Genitalwarzen steigt, sollte in jedem Fall ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden.
Behandlung
Bei manchen Menschen verschwinden Feigwarzen von selbst wieder. In solchen Fällen ist das Immunsystem in der Lage, die verantwortlichen Viren so weit zu unterdrücken, dass die Warzen zurückgehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Infektion dauerhaft besiegt ist - eine einmal durchgemachte Erkrankung führt nicht automatisch zu einer lebenslangen Immunität.
Bleiben die Warzen bestehen, stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung: einerseits äußerlich anzuwendende Medikamente, andererseits operative Verfahren wie Laser- oder Kältetherapie.
Zu den äußerlichen Medikamenten zählen Wirkstoffe wie Podophyllotoxin, Imiquimod oder ein Grüntee-Extrakt. Diese Präparate können in der Regel selbst aufgetragen werden, müssen aber über einen längeren Zeitraum angewendet werden - was eine konsequente Anwendung erfordert.
Alternativ ist eine chirurgische Entfernung möglich, zum Beispiel mit einem Skalpell oder einem sogenannten "scharfen Löffel". Diese Methode eignet sich vor allem bei wenigen Warzen und kann meist unter lokaler Betäubung durchgeführt werden.
Weitere Optionen zur Entfernung sind die Elektrokoagulation (Verödung durch Strom), der CO₂-Laser, dieKältetherapie mit flüssigem Stickstoff sowie die Behandlung mit Trichloressigsäure. Diese Verfahren zerstören das Warzengewebe gezielt, wodurch eine kleine Wunde entsteht, die in der Regel gut abheilt. Trichloressigsäure wird insbesondere dann angewendet, wenn sich Feigwarzen in der Schleimhaut der Vagina befinden.
Da HPV häufig im Körper zurückbleibt, ist ein erneuter Ausbruch allerdings auch nach erfolgreicher Behandlung möglich.
Prävention
Die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) schützt vor den häufigsten Virus-Typen, die Feigwarzen sowie bestimmte Krebserkrankungen wie Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Die Ständige Impfkommission (STIKO)empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren - idealerweise noch vor dem ersten sexuellen Kontakt. Auch nach dem 18. Lebensjahr kann die Impfung sinnvoll sein, vor allem, wenn noch keine Infektion vorliegt.
Kondome können das Risiko einer HPV-Übertragung senken, da sie viele Viren beim Geschlechtsverkehr abfangen. Ein vollständiger Schutz ist jedoch nicht garantiert, da HPV auch über Hautkontakt im nicht geschützten Bereich übertragen werden kann.
Eine sorgfältige Intimhygiene kann das Risiko einer Infektion zusätzlich verringern. Wichtig ist, den direkten Kontakt mit infizierten Hautstellen zu vermeiden und den Genitalbereich regelmäßig und gründlich zu reinigen.
Bestimmte Faktoren erhöhen das Ansteckungsrisiko mit HPV. Dazu zählen häufig wechselnde Sexualpartner, kleine Hautverletzungen oder Entzündungen im Genitalbereich. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen Sexualität und die Pflege der Hautgesundheit können helfen, Infektionen vorzubeugen.